Wie läuft eine Tarifrunde ab

Eigentlich ganz einfach: wir sagen, was wir wollen und die Arbeitgeber schenken es uns. Schön wär’s. In der Realität sieht es leider anders aus. Arbeitgeber wollen in der Regel vor allem Kosten senken. Zum Beispiel, die Kosten für Arbeit. Und da wir immer noch keine Villa am Strand stehen haben, wollen wir gutes Geld für gute Arbeit. Oder kurz gesagt: einen Tarif deluxe!

Jeder Tarifvertrag läuft irgendwann aus – falls es bisher überhaupt schon einen für deine Branche gab. Und damit beginnt die neue Tarifrunde. Folgende fünf Schritte stehen dann an.

1. Leute mobilisieren

Wenn niemand mitmacht, passiert auch nichts. Für einen Tarif deluxe brauchen wir möglichst alle Auszubildenden, Studierenden und Beschäftigten.

Bereits viele Wochen vor den ersten Verhandlungsterminen mit den Arbeitgebern geht es los. Es geht darum, uns klar zu werden, was wir wollen, was sich ändern muss und wer alles mit dabei ist. Also heißt es: reden, reden und nochmal reden. Mit den anderen Auszubildenden, mit den dual Studierenden, einfach mit allen Kolleginnen und Kollegen.

2. Forderungen diskutieren

Fordern ist einfach. Aber man muss auch dahinterstehen. Nur wenn die Tarifauseinandersetzung von den Beschäftigten getragen wird, können wir erfolgreich sein. Daher ist es enorm wichtig, die Stimmungen, Erwartungen und Bedürfnisse der Belegschaft direkt und ungefiltert mitzubekommen.

Alle müssen gut über den Stand der Forderungsdiskussionen informiert sein. Auf der Basis eines wechselseitigen Zusammenspiels entstehen Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Beides sind unabdingbare Voraussetzungen für spätere Aktionen.

3. Verhandlungen unterstützen

Sind die Forderungen übermittelt, muss die Arbeitgeberseite ein Angebot vorlegen. Und dann beginnt das große Tauziehen in den eigentlichen Verhandlungen. Diese führen auf unsere Seite Vertreter_innen aus der Tarifkommission, die auch mit jungen Mitgliedern besetzt ist.

Ohne Unterstützung von außen geht hier aber gar nichts. Im Prinzip ist es ganz einfach: je weniger Beschäftigte organisiert – also Mitglied bei ver.di sind – und sich bei (Warn-)Streikaktionen beteiligen, desto schlechter fällt der Abschluss am Ende aus.

In der Verhandlungsphase heißt es daher: organisiert eure Kolleginnen und Kollegen und macht mit Aktionen der Arbeitgeberseite klar: wir meinen das ernst.

4. Gemeinsam streiken

Wenn alles nichts gebracht hat, wenn die Tarifverhandlungen gescheitert sind und eventuell auch eine Schlichtungsrunde keinen Erfolg hatte, dann ruft ver.di zum Streik auf. Der Streik ist unser letztes und auch unser stärkstes Mittel. Daher machen wir uns die Entscheidung, ob, wann und wo wir zum Streik aufrufen auch nicht einfach.

Für diese Entscheidung spielt eine große Rolle, wie viele Mitglieder ver.di in den Unternehmen des Tarifgebiets hat und wie streikbereit diese sind. Die wirtschaftliche Lage der Branche beziehungsweise des Unternehmens sowie die politische Großwetterlage fließen ebenfalls in die Entscheidung mit ein.

Der Streik, also die Zurückhaltung von Arbeitskraft, ist das einzige Mittel der Beschäftigten, Umsätze und Gewinne von Unternehmen zu beeinträchtigen. Und dort haben Arbeitgeber ihre schwache Stelle. Das Recht auf Streik wird aus der grundgesetzlich garantierten Koalitionsfreiheit abgeleitet. Es dient dazu, das Machtungleichgewicht zwischen Unternehmen und abhängig Beschäftigten auszugleichen.

5. Erfolge feiern

„Zuerst stellen wir uns den Sieg vor. Von dort aus planen wir dann rückwärts.” Das Verhältnis zwischen Kampf und Erfolg kann kaum schöner beschrieben werden, als in dieser Formel von Valery Alzaga, Organizerin der amerikanischen Dienstleistungsgewerkschaft SEIU.

Denn nur wer wirklich davon überzeugt ist, wofür er oder sie kämpft, verliert auch in schwierigen Phasen nicht den Mut.

Und wirklich überzeugt ist nur, wer weiß, wie viel besser das eigene Leben mit guten Tarifabschlüssen aussieht – wie sich der Erfolg konkret im Alltag spüren lässt. Dazu reicht meist ein Blick in Branchen, in denen es nur noch wenige oder gar keine Tarifverträge mehr gibt.

Erfolgreiche Tarifauseinandersetzungen sind dagegen Sieg und Gewinn für alle Beschäftigten. Sie sind das Resultat aktiver Beteiligung. Und sie sind Motivation für kommende Kämpfe. Deshalb sollten wir sie gebührend feiern.

Mehr Hintergrundinfos zur Tarifarbeit in der ver.di Jugend findet ihr auch auf jugend-macht-tarif.info.